Emotionale Intelligenz in Bewerbungssituationen

Auch wenn Sie vor beruflicher Kompetenz nur so strotzen, ist dies in vielen Bewerbungssituationen nicht mehr genug, vor allem wenn es sich um Führungspositionen handelt. So achten Personaler zunehmend auf zwischenmenschliche Fähigkeiten.

Auch wenn ein 20-60-Minütiges von angespannter Stimmung geprägtes Bewerbungsgespräch schlecht ein umfassendes Bild des Charakters eines Menschen wiederspiegeln kann, sind erfahrene Profiler nach kurzer Zeit in der Lage aus kleinen Interaktionen einige Schlüsse zu ziehen. So prognostiziert das World-Economics Forum, dass die emotionale Intelligenz bis zum Jahr 2020 auf Platz 6 der Top 10 Fähigkeiten liegen wird, auf die Arbeitgeber bei der Personalsuche achten.
Denn emotional intelligente Mitarbeiter und Führungspersönlichkeiten können Ihre und die Gefühle anderer besser wahrnehmen, und entsprechend angemessen reagieren. Die eigenen emotionen beeinflussen zu können und die emotionen der anderen zu verstehen hilft entscheidend dabei Konflikte zu vermeiden. Die daraus resultierende stärkere Bindung zwischen den Kollegen führt somit langfristig auch zu weniger negativer Stimmung und mehr Erfolg am Arbeitsplatz

Nach einer Studie vom Februar 2017 ist für 95% aller befragten Personal-Manager die emotionale Intelligenz ein wichtiges Einstellungskriterium.

 

Also, was können Sie tun um ihren zukünftigen Arbeitgeber von ihrem hohen EQ ( dem emotionale Quotienten, nicht zu verwechseln mit IQ) zu überzeugen.

  1. Richtig zuhören

    Statt sich nach den ersten vier gesprochenen Worten des Gegenübers bereits eine Antwort zu überlegen, sollten Sie versuchen aufmerksam zuzuhören. Hören um zu verstehen, sollte hierbei die Priorität sein. Im Gegensatz dazu steht das häufig auftauchende Phänomen, dass wir mental „abschalten“ sobald wir glauben die Kernaussage des anderen verstanden haben, oder „abschalten“, weil wir anderer Meinung sind und uns schon unsere Gegenargumente zurechtlegen.

Aktives Zuhören ist die Basis für eine gelungene Kommunikation. Spiegeln Sie mit Ihren eigenen Worten das Gesagte. So prüfen Sie, ob Sie wirklich das verstanden haben, was Ihr Gegenüber gesagt hat.

  1. Fragen stellen

Der Klassiker in jedem Bewerbungsgespräch: Am Ende kommt es häufig zu einem Wechsel der Dynamik, wenn der Personaler Sie fragt: „Haben Sie noch Fragen?“ Hier noch eine smarte Frage zu stellen, kann das Zünglein an der Waage sein.

So ist eine Faustregel: Wenn Sie sich interessieren, werden Sie interessant. Bezeugen Sie durch Ihre Fragen mehr als nur Ihr Interesse an der Stelle. Zeigen Sie, dass Sie Interesse daran haben erfolgreich im Unternehmen zu agieren und sich einzubringen.

  1. Phrasen überdenken

Falls dies nicht Ihr erstes Vorstellungsgespräch ist, stehen die Chancen gut, dass Sie sich bereits erfolgsversprechende Phrasen aus vorherigen Gesprächen zurechtgelegt haben. Und während dieser Prozess auch ganz natürlich ist, und Ihnen eine gewisses Gefühl von Sicherheit bieten mag, sollten Sie sich nicht nur den vorgefertigten Antworten ergeben.

So sollten Sie beispielsweise auf die Frage nach Ihren Stärken nicht nur Ihre fachlichen Kompetenzen runterrattern, diese stehen bereits in Ihren Bewerbungsunterlagen. Stattdessen könnten Sie Ihre Stärken zu Vorteilen für das Unternehmen formulieren.

Versuchen Sie Ihre emotionale Intelligenz einzubringen. Erklären Sie, wie Sie sich in das Team eingliedern werden, und wie Sie beispielsweise planen die Kundenbeziehungen aufzubauen oder zu verbessern.
Auf die Frage: warum Sie Ihren letzten Arbeitgeber verlassen haben, sollten Sie Schuldzuweisungen vermeiden und versuchen positive Sprache zu verwenden. Unabhängig aus welchen Gründen Sie auf der Suche sind, sollten Sie Verantwortung für das geschehene übernehmen. Das zeigt emotionale Intelligenz.

  1. Auf non-Verbale Hinweise achten.

In den letzten Wochen haben Sie in unserem Blog bereits ausgiebig über die Macht von Mimik, Gestik und Körperhaltung lesen können. So ist das, was nicht gesagt wird, für die Personal-Manager fast genauso interessant, wie jenes, das gesagt wird. Achten Sie also auf Ihre eigene Körpersprache, und auf die ihres Gegenübers.

  1. Seien Sie Authentisch

Auch wenn Sie diesen Tipp vermutlich schon hunderte oder tausende Male gelesen oder gehört haben. Und auch wenn dies leichter gesagt als getan ist, ist authentisches Verhalten vor allem in Bewerbungssituationen von enormer Wichtigkeit.

So kommt es vor, dass der Personal-Manager Sie auf ihre fachlichen Kompetenzen festnagelt. Dies geschieht nicht zwangsläufig aus Boshaftigkeit, sondern funktioniert vielmehr als Mechanismus, um Sie aus der Reserve zu locken. Es wird geschaut, wie Sie auf unangenehme Fragen oder unvorbereitete Situationen reagieren. Und auch wenn es sich zunächst kontraintuitiv anhört, seien Sie authentisch. Falls Sie auf einem gewissen Gebiet noch keine Erfahrung haben, gehen Sie ehrlich mit Ihren Schwächen um. Kein Mensch ist vollkommen, und wenn Sie die Bereitschaft, sich in das Gebiet einzuarbeiten, überzeugend rüberbringen, ist der ehrliche Umgang mit den eigenen Schwächen einer leicht zu durchschauenden Halbwahrheit vorzuziehen.

 

Letztendlich lässt sich noch festhalten, dass all diese Tipps, so einfach sie auch klingen, viel Übung erfordern. Falls Sie Unterstützung bei der Stärkung Ihrer emotionalen Intelligenz suchen, können Sie sich entweder an den Tipps aus unseren bisherigen Blog-Beiträgen orientieren, oder Sie schauen mal in unseren Veranstaltungskalender.

 

Mehr zu den Ursprüngen des Begriffes der „emotional Intelligence“ von Daniel Goleman